Plenarrede zur Wiedereröffnung und dauerhafte Sicherung des Deutschen Museums für Naturschutzgeschichte auf Schloss Drachenburg in Königswinter – Bewahrung eines einzigartigen kulturellen und historischen Erbes Nordrhein-Westfalens

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Rede Drs. 18/19779 Wiedereröffnung und dauerhafte Sicherung des Deutschen Museums für Naturschutzgeschichte auf Schloss Drachenburg in Königswinter – Bewahrung eines einzigartigen kulturellen und historischen Erbes Nordrhein-Westfalens


Sehr geehrte/r Herr/Frau Präsident/in,
lieben Kolleginnen und Kollegen,


„Weit droht ins offne Rheingefild / der turmgekrönte Drachenstein;
Die breite Brust der Wasser schwillt / an Ufern hin, bekränzt vom Wein“.


Als der englische Dichter Lord Byron 1816 diese Zeilen beim Anblick des markanten Drachenfelses in Königswinter dichtete, konnte er nicht ahnen, was er auslöste.

Sein Gedicht über den „turmgekrönten Drachenfels“ wurde in vielen Reiseführern abgedruckt und löste einen bis dahin nicht gekannten Massentourismus aus. Millionen romantisch gesinnter Touristen kamen ins Rheinland und erklommen zu Fuß, mit dem Esel oder später mit der Zahnradbahn den Gipfel und bescherten Hotels und Gaststätten gute Geschäfte.

Die Attraktivität der Region konnte allerdings nur gesichert werden, da der preußische Staat 1836 den Steinbruch unterhalb des Drachenfels erwarb, um die Abbauarbeiten mit sofortiger Wirkung zu stoppen. Der Kauf gilt als die erste Großtat eines deutschen Staates im Bereich Naturschutz.

Später gründete sich der Verschönerungsverein für das Siebengebirge und bewahrte die gesamte Siebengebirgslandschaft vor weiterer industrieller Zerstörung durch die damals noch zahlreichen Steinbrüche. 1923 wurde das Siebengebirge dann als deutschlandweit zweites Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Es ist daher absolut folgerichtig, dass die 1996 gegründete Stiftung Naturschutzgeschichte ihren Sitz unterhalb des Drachenfelses im Siebengebirge hat.

Untergebracht in den Räumlichkeiten von Schloss Drachenburg, wahrscheinlich dem schönsten Schloss unseres Landes – diese Zwischenbemerkung sei mir mit Blick auf meine Heimat gestattet –, dokumentiert und erforscht die Stiftung seitdem die Geschichte des Naturschutzes in Deutschland.

Und deshalb will ich zu Beginn ausdrücklich sagen: Die fundierte und wertvolle Arbeit, die von den Mitarbeitern der Stiftung geleistet wird, verdient Anerkennung, Sichtbarkeit, aber keine parteipolitische Vereinnahmung und ideologische Instrumentalisierung durch die AfD.

Und genau damit sind wir beim Thema des vorliegenden Antrags.

Die AfD macht die vor gut drei Jahren erfolgte Schließung einer in der Vorburg von Schloss Drachenburg untergebrachten Ausstellung über die Geschichte des Naturschutzes zum Gegenstand der Debatte. Sie fordern die unverzügliche Wiedereröffnung der Ausstellung, die Ausarbeitung eines Wirtschafts- und Betriebsplans sowie einen jährlich (!) dem Landtag vorzulegenden Maßnahmen- und Zeitplan zur Sicherung des Museums.
Sie fordern dies, ohne sich mit den Gründen der Schließung ernsthaft und aufrichtig auseinandergesetzt zu haben.

Ich helfe Ihnen: Die Gremien der Stiftung haben einstimmig beschlossen, die 15 Jahre alte Dauerausstellung zu schließen. Und wie Sie der Homepage der Stiftung hätten entnehmen können, ist die Entwicklung eines virtuellen Museums geplant, um den neuen Nutzungsgewohnheiten der Menschen gerecht zu werden. Alles nachvollziehbar und genau richtig, um die wichtige Arbeit der Stiftung einem noch größeren Publikum zugänglich zu machen. Ihr Antrag ist daher nichts als blanker Hohn und eine Missachtung der Arbeit der Mitarbeiter der Stiftung.

Aber das alles interessiert die AfD nicht. Herrn Schalley geht es in seinem vermeintlich kulturtragenden Antrag überhaupt nicht um die Dauerausstellung.

Die AfD instrumentalisiert mit diesem Antrag lediglich die Stiftung und Schloss Drachenburg, um die Naturschutzgeschichte mit der völkisch-ideologischen Erzählung des Heimatschutzes zu ideologisieren. Sie wollen aus einem Kultur- und Bildungsort eine Projektionsfläche für die eigenen Begriffe von Volk, Heimat und nationaler Identität machen. Das ist abartig und geschichtsvergessen.

Und ich bin daher umso mehr der Stiftung Naturschutzgeschichte für die Forschungsarbeiten zu rechtsextremen und nationalistischen Aktivitäten im Naturschutz dankbar.
Die Ausarbeitungen über die 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, in denen führende Naturschützer Brücken zur „Blut-und-Boden“-Ideologie der Nationalsozialisten bauten und Vorstellungen eines „Urdeutschlands“ kreierten, sind eine wichtige Dokumentation der Geschichte, aus der es zu lernen gilt. 

Die Stiftung befasst sich allerdings nicht nur mit der Aufarbeitung und Dokumentation der Vergangenheit, sondern arbeitet auch brandaktuell, z.B. zum Versuch des völkischen Rechtspopulismus, rechtsextremer Kreise wie dem Dritten Weg oder der Identitären Bewegung den Naturschutz systematisch und strategisch zu unterwandern und thematisch zu besetzen.

Inwieweit sich auch Beiträge eines AfD-Landespolitikers aus Nordrhein-Westfalen im neurechten Ökomagazin „Die Kehre“ z.B. zur „Rechten Landwirtschaftspolitik“ hier einordnen lassen, wissen Sie, Herr Schalley, sicherlich am besten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir akzeptieren nicht, dass Stiftungen und deren Mitarbeiter oder unsere Wälder und der Schutz der Natur zu Spielbällen ideologischer Weltanschauungen degradiert werden.

Der AfD-Antrag bildet keine Grundlage für eine seriöse Auseinandersetzung mit der Naturschutzgeschichte in unserem Land, er ist ideologisch durchzogen und der Versuch, Heimat und Naturschutz durch die AfD zu vereinnahmen. Ihr Versuch ist gescheitert! Wir lehnen den Antrag ab!

Vielen Dank!

 

19.06.2026